Wie können Big Data, KI und Data Science im Kontext der GKV optimal genutzt werden? Wie werden Data-Science-Anwendungen erfolgreich in Krankenkassen implementiert und welche konkreten Mehrwerte bringen sie? Hierzu tauschten sich Vertreter von Krankenkassen am 14. April 2021 im Rahmen des zweiten Data.Science.Dialogs mit BITMARCK-Experten und externen Impulsgebern aus. Thematisiert wurden neben Potenzialen und aktuellen Projekten auch konkrete Anwendungsfälle jenseits der Branche.  

Ziel der Veranstaltungsreihe Data.Science.Dialog ist es, unseren Kunden und Partnern die Bedeutung und die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Data Science in der GKV näher zu bringen. Neben dem Beitrag, den BITMARCK in diesem Kontext unter anderem im Rahmen der Data.Science.Factory leistet, sind auch der Einbezug der wissenschaftlichen Perspektive sowie der Blick auf Einsatzfelder jenseits der Krankenversicherung ein wichtiges Element des Formats. Diese können dabei helfen, Chancen und Grenzen von Data Science und KI richtig einzuschätzen.

Der Blick über den Tellerrand der GKV 

Als Referent konnte Peter Bauer, Chief Information Officer der ottonova, einer digitalen, privaten Kranken­versicherung aus München gewonnen werden. Anhand zweier konkreter Fallbeispiele erläuterte er zum Auftakt der Ver­anstaltung, wie es gelingen kann, Datenfokussierung als integralen Bestandteil von Kranken­versicherungen zu verankern und wie sich dies in der Kosten- und Versorgungsstruktur widerspiegelt. 

Zunächst berichtete Peter Bauer von seinen Erfahrungen im Kontext des Aufbaus einer mehr­heitlich staatlichen Krankenkasse in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die er im Rahmen seiner früheren Tätigkeit bei der Münchener Rück begleitete. Durch den kompletten Neuaufbau der Institution bot sich hier die Chance, die Prozessautomatisierung sowie die einheitliche Erhebung und Auswertung von Daten bereits beim Aufbau der Strukturen in den Fokus zu stellen. Hierfür wurden in der ersten Phase ein zentrales Data Warehouse sowie eine Central Business Intelligence mit 30 Mitarbeitern aufgebaut. So konnten mit der Zeit der überwiegende Teil (knapp 80 Prozent) aller Verwaltungsaufgaben im Leistungsbereich automatisiert werden.

Das zweite Fallbeispiel betraf die 2015 gegründete ottonova als private, digitale Vollversicherung selbst. Auch hier war der Aufbau einer einheitlichen Datenplattform ein ausschlaggebendes Element. Darüber hinaus stellt, so Peter Bauer, der Aufbau crossfunktionaler Teams einen entscheidenden Faktor dar, um das Wissen hinsichtlich der Bedeutung von Daten in sämtlichen Fachabteilungen zu streuen und zu verankern.   

Ist KI eine Wunderwaffe?

In der anschließenden Diskussion mit den Teil­nehmerinnen und Teilnehmern entkräftete Peter Bauer den aus seiner Sicht weit verbreiteten Irr­glauben, bei Data Science und Künstliche Intelligenz (KI) handele es sich um Wunderwaffen, mit deren Hilfe Sinn in jede Datenmenge gebracht werden kann. Vielmehr sei an dieser Stelle ein tiefes fach­liches Verständnis der Daten notwendig, um sinnvolle Ergebnisse zu erzielen. Zudem sei die Generierung von Erkenntnissen nur die halbe Miete: Die Strukturen müssen es im zweiten Schritt ermöglichen, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und ent­sprechende Maßnahmen einzuleiten. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die klare Priorisierung des Themas durch die jeweilige Führungsebene. 

Digitale Arbeitsgruppen zu Data-Science-­Projekten von BITMARCK

Abschließend wurden in vier Arbeitsgruppen die Data-Science-Projekte von BITMARCK thematisiert, darunter die Optimierung der Krankenhausab­rechnungsprüfung und die Anomalie-Erkennung bei AAG-Fällen. Hier konnten die Kunden anhand laufender Projekte diskutieren und schauen,  wo konkrete Potenziale und Mehrwerte für ihre Kranken­kasse liegen. Deutlich wurde hierbei, dass die organisationale Implementierung von Data Science von vielen Krankenkassen als große Hürde empfunden wird. Neben den inhaltlich-­fachlichen Fragestellungen spielen also auch Struktur­fragen an dieser Stelle eine wichtige Rolle und entscheiden maßgeblich darüber, ob Data Science zeitnah ein fester Bestandteil der GKV wird. 

Alle Präsentationen aus dem zweiten Data.Science.Dialog haben wir im Kundenportal zum Download für Sie bereitgestellt. Ihre Fragen beantworten wir gerne unter factory@bitmarck.de.