Im Rahmen der nunmehr vierten Morbi-RSA-Konferenz hatten Kunden von BITMARCK kürzlich die Gelegenheit, sich umfassend über die Mani­pulationsbremse im Morbi-RSA zu informieren. Neben den Vorträgen der Experten Prof. Dr. Amelie Wuppermann vom wissenschaft­lichen Beirat des Bundesamts für Soziale Sicherung (BAS) und Erich Peters vom GKV-Spitzenverband (GKV-SV) hat BITMARCK im empirischen Teil der Konferenz dargelegt, wie wichtig die Abgrenzung des richtigen Berechnungszeitraums für die Mani­pulationsbremse ist. Verdeutlicht wurde dies anhand der unterschiedlichen finanziellen Effekte der Manipulationsbremse des GKV-SV im vergangenen Jahr und dem aktuellen Schätzansatz von BITMARCK. 

Die Manipulationsbremse erschwert die Finanzplanung der Krankenkassen

Die Morbi-RSA-Reform ist zwar seit Beginn 2021 in Kraft, die Manipulationsbremse ist aber eine Reformkomponente mit speziellem Charakter: Zum einen kommt sie erst im Schlussausgleich zur Wirkung – das amtliche Abschlagsverfahren enthält sie nicht und liefert daher keinerlei Anhaltspunkte zu ihren Auswirkungen. Zum anderen wird ihre konkrete Ausgestaltung erst sehr spät bekannt. Das liegt sowohl an den erst im späteren Verfahrensverlauf bekannten vollständigen analytischen Daten zur Beurteilung der Manipulationsbremse (HMG-Steigerung im Zeitraum 2018-2021) als auch am sogenannten Veto des GKV-SV im August 2022. Die Manipulationsbremse erschwert somit die Finanzplanung der Krankenkassen in besonderem Maße.

Prof. Dr. Amelie Wuppermann ging in ihrem Vortrag auf die Vorgeschichte der Manipulationsbremse ein: Ausschlaggebend seien auffällige Diagnose­entwicklungen gewesen. Sie zeigte auf, wie es in mehreren Schritten zu den aktuellen gesetzlichen Regelungen entgegen Diagnose-Manipulationen bzw. Kodier-Beeinflussungen – etwa durch Selektiv­verträge, „Kodierberatung“ oder die Bereitstellung von Praxissoftware – im Morbi-RSA gekommen ist. Die aktuell angedachte Manipulationsbremse verringere den Anreiz, auf Diagnosesteigerungen hinzuwirken, in dem a priori unsicher sei, ob es für eine HMG Zuweisungen gäbe oder nicht. Dieser erhofften Anreizwirkung stehe aber eine Reduzierung der Zielgenauigkeit des Morbi-RSA-Modells durch die Manipulationsbremse entgegen. Das Ausmaß sei jedoch unklar. Die angedachte Evaluation der Manipulations­bremse durch den Wissenschaftlichen Beirat des BAS wird hier mehr Transparenz bringen. Ein großes Fragezeichen bei dieser Thematik sei schließlich auch die Corona-Pandemie, welche die Diagnosen sicherlich beeinflusst habe und möglicherweise auch einen Auswirkungen auf die Steigerungsraten der zuweisungsrelevanten HMG hatte.

Erich Peters berichtete über ein Verfahren, mit dem auffällige HMG – beim Vorliegen medizinisch/diagnostischer Begründungen – vom Ausschluss durch die Manipulationsbremse ausgenommen werden sollen. Diese HMG habe der GKV-SV festzustellen und bis zum 31.08.2022 bekanntzugeben. Peters berichtete über die potenziell begründenden Sachverhalte von begründbaren überdurchschnitt­lichen HMG-Steigerungen wie die Veränderung
medizinischer Leitlinien, von G-BA-Richtlinien, im DRG-System, von Kodiervorgaben etc. Im Moment befinde man sich in der Konzepterprobung. Auf dieser Basis wolle man eine offizielle Verfahrensbeschreibung verabschieden, die für das 4. Quartal 2021 geplant sei.

Die Effekte der Corona-Pandemie beeinflussten die Berechnungen zur Manipulationsbremse aus seiner Sicht sowohl direkt als auch indirekt. Die direkten Effekte bei den Diagnosen 2020 und 2021 könne man seiner Meinung nach recht gut erfassen. Schwieriger werde es bei den indirekten Effekten (Nachholeffekte, eventuell Zunahme anderer Erkrankungen durch die indirekten Auswirkungen
der Pandemie). 

Berechnungen und Prognosen von BITMARCK 

Die BITMARCK-Fachexperten Felix Epple und Tobias Kassner zeigten zum Abschluss der Konferenz auf, wie die rein analytische Unsicherheit, die aufgrund unvollständiger Daten noch besteht, mit Hilfe von Monte-Carlo-Simulationen aufgefangen werden kann. Die kassenindividuellen Finanzeffekte waren bei diesen Simulationen deutlich geringer (weniger stark positiv und stärker negativ) als die Effekte, die der GKV-SV im vergangenen Jahr anhand einer auf älteren Daten hergeleiteten Manipulationsbremse berechnet hatte. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass der Zeitraum, mit welchem HMG-Steigerungen beurteilt werden, einen Unterschied macht und möglichst große Aktualität hier von besonderer Bedeutung ist. BITMARCK rechnet damit, im Oktober 2021 die über die Manipulationsbremse auszuschließenden HMG rein analytisch noch einmal deutlich sicherer prognostizieren zu können. 

Morbi-RSA-Analysen und Konferenz-Video im Kundenportal

Im Kundenportal stehen alle Beiträge und der Video-Mitschnitt der Konferenz zum Download zur Verfügung. Mit unseren Morbi-RSA-Analysen stehen wir unseren Kunden in diesen ungewissen Zeiten mit validen Analysen zur Seite. Konkret unterstützen wir mit Vorstands-Informationsschreiben, mit kassen­individuellen Berechnungen zu den Effekten von Reformoptionen oder Verfahrensänderungen und mit unserer jährlichen Morbi-RSA-Konferenz. Zudem fließen alle Analysen in unser Tool zur Finanzplanung – bitForecast_Web – ein, um Ihnen bei Ihrer Finanzplanung eine umfassende Unter­stützung zu bieten. Weitere Informationen finden Sie im Kundenportal unter Morbi-RSA-Analysen.