Im Rahmen der nunmehr fünften Morbi-RSA-­Konferenz hatten die Kunden von BITMARCK am 24. Mai 2022 die Gelegenheit, sich über verschiedene Entwicklungen im Morbi-RSA umfassend zu informieren. Als Keynote-Sprecherin zeigte Dr. Sylvia Demme vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) aktuelle Diskussionslinien des Morbi-RSA auf. Dabei ging sie auf die Weiterentwicklung des Klassifikationsmodells für das Ausgleichsjahr 2023 ein und erläuterte die geplanten Schwerpunkte. Vier Aspekte stehen im Fokus: die Berücksichtigung von Arzneimitteln im Modell, die Eliminierung von Überdeckungen bei Komorbiditäten bzw. die Zusammenlegung von Hierarchien bei metabolischen Erkrankungen und psychischen Erkrankungen, die Aufnahme bisher nicht für die Klassifikation genutzter ICD-­Kodes und die Reform der Zuweisungen für Auslandsversicherte. Weiterhin berichtete Dr. Demme aus dem aktuellen Sondergutachten für den Risikopool im Zusammenwirken mit Pay-for-Performance (P4P) Verträgen. In diesem Kontext kündigte sie ein Konzept für eine neue Datenmeldung an, um eventuelle Rückerstattungen unabhängig von deren Zeitpunkt dem Gesundheitsfonds wieder zuführen zu können.

Manipulationsbremse oder das Warten auf das Veto des GKV-SV

BITMARCK-Experte Tobias Kassner erläuterte die 25 hierarchisierten Morbiditätsgruppen (HMG), die nach aktueller Datenlage aufgrund der Manipulationsbremse im Morbi-RSA für das Ausgleichsjahr 2021 voraussichtlich ausgeschlossen werden bei einem rein rechnerischen HMG-Ausschluss. Hierbei geht es um ein erhebliches Volumen von insgesamt über 15 Mrd. Euro, das – im Falle eines tatsächlichen Ausschlusses – auf andere Risikogruppen umverteilt würde. Derzeit noch offen ist ein mögliches Veto des GKV-Spitzenverbandes (GKV-SV). Um die Sensitivität eines veränderten HMG-Ausschlusses aufzuzeigen, hat BITMARCK exemplarisch simuliert, was ein Veto bei den HMG bedeuten würde, die derzeit (über die Aufgreifkriterien der berücksichtigten Diagnosen) schon recht manipulationssicher erscheinen.

Denn ein entsprechendes Veto hätte nur noch einen HMG-Ausschluss mit einem Volumen von 11 Mrd. Euro zur Folge. Das freigesetzte Volumen würde dann primär über andere HMG und eine Steigerung der AGG verteilt. Neben detaillierten Analysen zur Umverteilung präsentierte Tobias Kassner auch die aktuelle BITMARCK-Schätzung der Finanzeffekte für die Krankenkassen, die sich in der Regel in einer Spanne von +/- 10 Euro je Versicherten bewegen. 

Wie eine Prognose der Wirkung der Manipulationsbremse für das Ausgleichsjahr 2022 mit Hilfe von Monte-Carlo-Simulationen vorgenommen werden kann und welche Ergebnisse sich dabei zeigen, wurde im zweiten Teil der Präsentation mit Hilfe intuitiv eingängiger Violin-Plots dargestellt.  

Der Hochrisikopool im Fokus – verbesserte Prognosemöglichkeiten der BITMARCK 

Anschließend ging mit Felix Epple ein weiterer Experte von BITMARCK in seinen Ausführungen detailliert auf die demographische Struktur der Hochkosten­fälle (> 100.000 Euro) ein, die zwar nur knapp 0,2 % der Versicherten, deren Direkt­erstattungen aber knapp 3 % der Leistungsausgaben (ohne Kranken­geld) der GKV ausmachen. Unsere BITMARCK-Analysen zeigen hier deutlich verbesserte Deckungsquoten durch die Einführung des Hoch­risikopools, insbesondere für jüngere Versicherte und Versicherte ohne HMG. Weiterhin erläutert wurden die Vorgehens­weise und die Vorteile des von BITMARCK entwickelten Verfahrens zur frühzeitigen Prognose von Hochkostenausgaben, welches im BITMARCK Finanzplanungstool bitForecast_Web eingesetzt wird. Die geschätzten Hochrisikopooldirekterstattungen führen dann – in Kombination mit einer Zeitreihenbetrachtung – nachweislich zu deutlich besseren Schätzergebnissen als einfache Zeitreihenbetrachtungen, die naturgemäß vor allem bei kleineren Krankenkassen weit daneben liegen können.

Zum Abschluss der Morbi-RSA Konferenz ging Dr. Thomas Schepp vom BKK Dachverband auf die aktuelle Finanz- und Wettbewerbslage der GKV ein. Die Entwicklung der Deckungsbeiträge je Kassenart wurde ebenso detailliert unter die Lupe genommen wie die aktuelle Vermögenssituation. 

Sichtbar wurden dabei Sondereffekte wie hohe Schätzverpflichtungen oder Korrekturbuchungen – diese erschweren eine Prognose der zukünftigen GKV Finanzentwicklung. Auch das mit Spannung erwartete Finanzstabilisierungsgesetz wird noch entscheidend auf die Wettbewerbslage einwirken. 

Konferenz verpasst? Morbi-RSA-Analysen und Konferenz-Video im Kundenportal abrufbar

Im Kundenportal haben wir alle Beiträge sowie das Konferenz-Video zum Download bereitgestellt. Kunden des BITMARCK Morbi-RSA Datenclearings oder von bitForecast erhalten zudem kassen­individuelle Analyseergebnisse. Natürlich fließen alle Analysen auch direkt in unser Tool bitForecast_Web ein, um unseren Kunden eine umfassende Unter­stützung bei der Finanzplanung zu bieten. Unser erklärtes Ziel: Mehr Transparenz und Orientierung beim komplexen Morbi-RSA Verfahren zu bieten!