Wie geht es in den nächsten Jahren weiter mit den angespannten GKV-Finanzen? In diesem Kontext spielt die Corona-Pandemie seit über einem Jahr natürlich eine entscheidende Rolle. Neben regelmäßigen Detail-Analysen und Prognosen zur allgemeinen Finanzentwicklung in der GKV werten unsere Fachexperten in der AG Corona die vorliegenden Abrechnungsdaten aus und prognostizieren die (finanziellen) Aus­wirkungen der Pandemie. 

Die Möglichkeit, im Rahmen der digitalen Corona-Konferenz am 28. April mit BITMARCK-Experten und externen Referenten in den Austausch zu treten, nutzten über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – ein deutliches Zeichen dafür, wie groß der Informations- und Diskussionsbedarf zu diesem Thema seitens unserer Kunden ist. 

Das Konferenz-Programm – von der Theorie zur Praxis 

Den Auftakt der Konferenz bildete der Vortrag von Prof. Dr. Volker Ulrich von der Universität Bayreuth, ausgewiesener Experte im Kontext der GKV-Finanzen und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesversicherungsamtes. Ein zentraler Aspekt seiner Analyse sollte schlussendlich zum Fazit der gesamten Veranstaltung werden: Die Finanzen der GKV stehen in den kommenden Jahren unter massivem Druck. Dies ist jedoch weniger auf die Corona-Pandemie zurück zu führen, als vielmehr auf die gesetzlichen Maßnahmen des Bundesgesundheitsministeriums in Verbindung mit dem demografischen Wandel und dem technischen Fortschritt. Detailliert schlüsselte er auf, in welchen Bereichen es zu einer Kostensteigerung kommen wird und was konkret getan werden kann, um eine langfristige „Explosion“ der Beiträge zu verhindern.

BITMARCK-Prognosen 

Die Analyse von Prof. Dr. Ulrich wurde anschließend durch die Prognose der BITMARCK-Experten zu den finanziellen Folgen der COVID-19-Pandemie bestätigt: Während die Corona-Pandemie, insbesondere durch die verringerte Inanspruchnahme von Leistungen, sogar eher zu einer kurzfristigen Stabilisierung der Finanzen beigetragen hat, erweisen sich die aus den Reformen resultierenden Kosten als maßgeblich. 

Ohne einen deutlich erhöhten Steuerzuschuss wäre mit Zusatzbeiträgen im Jahr 2023 von mindestens 2,38 Prozent (eventuell sogar auf über drei Prozent) zu rechnen. Auf dieses Risiko hat die Politik zwischen­zeitlich reagiert. Durch die beschlossene Erhöhung des Bundeszuschusses wird sich die Höhe der Zusatzbeiträge auf durchschnittlich ca. 1,3 Prozent  begrenzen lassen. In der Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz herrschte Einigkeit darüber, dass der Stabilisierungsprozess sehr zeitnah starten müsse. Eine abwartende Haltung mit Blick auf eine neue Regierungsbildung nach der Bundestagswahl könne einen sprunghaften Anstieg der Beiträge
bereits in 2022 zur folge haben.  

Folgen der Pandemie für die Gesundheitsversorgung

Im Rahmen des nachfolgenden Vortrags der BITMARCK-­Experten wurden die Folgen der Corona-Pandemie für die Gesundheitsversorgung im Detail unter die Lupe genommen. Klar ist: Selbst, wenn hoffentlich bald die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist, wird die GKV mit den Folgen der Pandemie konfrontiert sein, etwa im Kontext von Auffrischungsimpfungen oder Long-Covid. Als einer der wenigen Akteure in der GKV verfügt BITMARCK über eine ausreichend große Basis an anonymisierten und aggregierten Daten, um an dieser Stelle belastbare Erkenntnisse zu generieren. So zeigen die Analysen beispielsweise, dass sich die prospektiven Mehrkosten infektiöser Lungenerkrankungen als Folge einer Corona-Erkrankung bereits 2021 auf einen drei­stelligen Millionenbetrag belaufen werden. Die Kosten für neurologische und psychische Folge­erkrankungen bewegen sich 2021 wahrscheinlich im zweistelligen Millionenbereich. 

Die Corona-Pandemie als Digitalisierungs­beschleuniger? 

Abschließend wurden erneut die Fragen nach möglichen Schlüssen aus der Pandemie sowie nach geeigneten Instrumenten zur mittel- und langfristigen Stabilisierung der Kosten aufgegriffen. Dr. Anne Sophie Geier, Geschäftsführerin des Spitzenverbandes Digitale Gesundheitsversorgung, erläuterte in ihrem Vortrag, wie digitale Anwendungen in der Corona-Pandemie spürbar an Bedeutung und Akzeptanz gewonnen haben. DiGAs und andere digitale Services hätten mittelfristig das Potenzial, die Kostendynamik zu bremsen. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass, wie in anderen Bereichen der Gesundheitsversorgung, zunächst Investitionen notwendig seien, um Mehrwerte zu schaffen.    

Konferenz verpasst?

Im Kundenportal haben wir alle Beiträge sowie das Konferenz-Video zum Download für Sie bereitgestellt. Ihre Fragen beantworten wir gerne unter agcorona@bitmarck.de.